"Es kann gar nicht genug hervorgehoben werden, daß
das Christentum eine historische Religion ist, so eng an die Geschichte
gebunden, daß sie, wenn die historische Glaubwürdigkeit ihrer
Quellen erschüttert würde, augenblicklich auch das Recht verlöre,
Glauben von uns zu fordern." Charles C. Anderson
"Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt
vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich." Paulus, 1.Kor 15,14
Inhalt:
1. nichtchristliche Quellen
1.1. römische Autoren
1.1.1. Publius Cornelius Tacitus
1.1.2. Gaius Tranquillus Sueton
1.1.3. Gajus Plinius Caecilius Secundus
1.1.4. Kaiser Trajan (Marcus Ulpius
Traianus)
1.1.5. Kaiser Julian Apostata (Flavius Claudius Iulianus)
1.2. jüdische Autoren
1.2.1. Falvius Josephus (Joseph ben
Mathitjahu)
1.2.2. Babylonischer Talmud
1.3. griechischer Autor
1.3.1. Lukian (Lucian) von Samosata
1.4. syrischer Autor
1.4.1. Mara Bar-Serapion
1.5. sonstige Autoren
1.5.1. Thallus
1.5.2. Phlegon
2. christliche Quellen
2.1. Clemens von Rom (Clemens Romanus)
2.2. Ignatius (Ignatius Theophoros)
2.3. Justin, der Märtyrer
2.4. Irenäus
2.5. Quadratus
2.6. Barnabasbrief
2.7. Tertullian (Quintus Septimus Florens
Tertullianus)
2.8. Sulpicius Severus
3. Archäologische Indizien für
die Existenz Jesu
3.1. Spottkruzifix
3.2. Zwei gefundene Särge aus dem 1. Jhd., tragen den Namen Jesus
3.3. Fischsymbol
3.4. nichtkanonische Papyri
3.4.1. Papyrus Oxyrhynchos 840
3.4.2. Papyrus Oxyrhynchos 1224
3.4.3. Fajjum Fragment
3.4.4. Papyrus Egerton 2
4. Weshalb existieren nicht noch viel mehr außerbiblische Quellen?
5. Schlußfolgerung
Die Primärquelle für das Leben Jesu ist das Neue Testament (NT), d.h. zu allen Fragen wer Jesus war und was er gesagt und getan hat.
Der Name 'Jesus' erscheint im griech. NT (Nestle/Aland) in 878 von insgesamt 7.957 Versen in versch. Formen.
Das sind prozentual:
878 [Anzahl Verse, die den Namen 'Jesus' enthalten] /
7.957 [Anzahl aller Verse des NT] = 0,1103
=> 0,1103 * 100% = 11,03% [Verse die 'Jesus' enthalten
in bezug auf alle Verse des NT]
Berechnung jeder wievielte Vers durchschnittlich den Namen
'Jesus' enthält:
=> 100% / 11,03% = 9,07
D.h., dass ca. 11% aller Verse des NT den Namen 'Jesus'
enthalten (durchschnittlich ca. jeder neunte Vers), er ist damit eindeutig
die Hauptperson des NT (nur 'Gott' kommt mit 1.156 => 14,53% (ca.
jeder 7. Vers) Versen noch häufiger vor... aber 'Gott' ist kein Eigenname.)
Paulus erscheint im NT z.B. in 154 Versen/1,94% (ca. jeder
52. Vers), Petrus in 151 Versen/1,90%, (ca. jeder 53. Vers)
Zu der Frage, ob das NT eine historisch zuverlässige Quelle ist, siehe die Seite zur Glaubwürdigkeit des NT.
Hier sollen nun ausserbiblische Quellen genannt werden, die zusätzlich zum NT, die Existenz Jesu in Raum und Zeit belegen.
1.1.1. Publius Cornelius Tacitus (55-ca.117 n. Chr.), ein zuverlässiger römischer Historiker, Senator, Prokonsul und Statthalter über Asien schrieb um 116 n. Chr. in seinen Annalen im XV. Buch über den Brand Roms (6 Tage lang konnte der Brand nicht gelöscht werden und so wurden von 14 Bezirken 10 fast vollständig zerstört, also ca. 70% der Stadt) und das hartnäckige Gerücht, Nero habe den Brand legen lassen, (der um 64 n. Chr. stattfand) folgendes:
Tacitus, Annalen, XV.40
"40.
Erst am sechsten Tage wurde am äußersten Rande der Esquilien der
Feuersbrunst dadurch ein Ende gesetzt, daß man auf einem ungeheuren
Raum die Gebäude niederriß, so daß sich der anhaltenden Gewalt offenes
Feld und gleichsam leerer Himmel entgegenstellte. Und man fühlte sich
noch nicht von Furcht befreit, als von neuem, nicht minder wütend, das
Feuer wiederkehrte, mehr auf den offenen Plätzen der Stadt, weshalb
weniger Menschen umkamen. Die Tempel der Götter und die dem Vergnügen
gewidmeten Säulengänge stürzten weithin nieder und diese Feuersbrunst
hatte schlimmere Nachrede, weil sie in den aemilianischen Besitzungen
des Tigellinus ausgebrochen war, und es den Anschein hatte, als wolle
Nero nur den Ruhm haben, eine neue Stadt zu bauen und nach seinem Namen
zu benennen. Rom wird nämlich in vierzehn Bezirke eingeteilt, von denen
vier unversehrt blieben, drei bis auf den Grund zerstört wurden, in den
sieben übrigen standen nur noch wenige zerfetzte und halbverbrannte
Trümmer von Gebäuden." Tacitus, Sämtliche Werke, Phaidon Verlag Essen, Unter
Zugrundelegung der Übertragung von Wilhelm Bötticher neu bearbeitet von
Andreas Schäfer, S. 609
Tacitus, Annalen, XV.44
"44.
Dies nun waren Veranstaltungen menschlicher Vorsicht. Darauf suchte man
Sühnmittel für die Götter und befragte die sibyllinischen Bücher, nach
welchen dem Vulcan, der Ceres und der Proserpina ein Betfest gehalten,
und Juno von den Matronen versöhnt wurde, zuerst auf dem Kapitel, dann
an der nächsten Küste des Meeres, aus welchem Wasser geschöpft, und
Tempel und Bild der Göttin besprengt wurde. Auch Sellisternien und
Pervigilien feierten die Frauen, welche Männer hatten. Doch nicht durch
menschliche Hilfe, nicht durch kaiserliche Schenkungen, noch durch
Sühnungen der Götter ließ sich das schmähliche Gerücht bannen, daß man
glaubte, die Feuersbrunst sei befohlen worden. Um daher dies Gerede zu
beenden, gab Nero denen, die wegen ihrer Schandtaten verhaßt das Volk
Christen nannte, die Schuld, und belegte sie mit den ausgesuchtesten
Strafen. Der, von welchem dieser Name ausgegangen, Christus, war unter
der Regierung des Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet
worden. Der für den Augenblick unterdrückte verderbliche Aberglaube
brach nicht nur in Judäa, dem Vaterlande dieses Unwesens, sondern auch
in Rom, wo von allen Seiten alle nur denkbaren Greuel und
Abscheulichkeiten zusammenfließen und Anhang finden, wieder aus.
Anfangs wurden solche ergriffen, welche sich dazu bekannten, und dann
auf deren Anzeige hin eine ungeheure Menge nicht nur der Brandstiftung
als auch des allgemeinen Menschenhasses überwiesen. Bei ihrem Tod wurde
auch noch Spott mit ihnen getrieben, indem sie, bedeckt mit den Fellen
wilder Tiere von Hunden zerrissen oder ans Kreuz geheftet starben oder
zum Feuertode bestimmt, sich zur nächtlichen Erleuchtung verbrennen
lassen mußten, wenn sich der Tag neigte. Nero hatte seinen Park zu
diesem Schauspiele geöffnet und gab ein Zirkusspiel, wobei er sich im
Aufzuge eines Wagenlenkers unter das Volk mischte, oder auf dem Wagen
stand. Daher wurde auch für noch so Schuldige, welche die härtesten
Strafen verdienten, Mitleiden rege, als würden sie nicht dem
allgemeinen Besten, sondern der Mordlust eines einzigen geopfert."
Tacitus, Sämtliche Werke, Phaidon Verlag Essen, Unter Zugrundelegung
der Übertragung von Wilhelm Bötticher neu bearbeitet von Andreas
Schäfer, S. 611
"Der grösste römische Historiker zur Zeit des
Kaiserreichs war Cornelius Tacitus, geboren zwischen 52 und 54. Er schrieb
die Geschichte Roms unter den Kaisern. Mit etwa 60 Jahren beschreibt er
die Regierung Neros 54-68 und schildert darin die Feuersbrunst, die Rom
im Jahre 64 verwüstete, und dass ein weit verbreitetes Gerücht
umging, Nero selbst sei der Anstifter zu dem Brande gewesen, da er durch
den Neubau der Stadt grösseren Ruhm habe gewinnen wollen. [...]
Dieser Bericht klingt nicht so, als wenn er aus christlichen
Quellen oder von jüdischen Zuträgern stammte; die letzteren würden
sich niemals auf Jesus als auf Christus bezogen haben. Für den Heiden
Tacitus war 'Christus' einfach ein Eigenname. Für die Juden wie für
die Christen war das Wort nicht nur ein Name, sondern ein Titel, nämlich
die entsprechende Bezeichnung für das semitische Wort Messias (Gesalbter).
Die Christen nannten ihn Christus, weil sie glaubten, dass er der verheissene
Messias war. Die Juden, die nicht an ihn glaubten, würden ihm diesen
Ehrentitel nicht gegeben haben. Tacitus hatte Zugang zu allen nur erreichbaren
amtlichen Informationen. Er war der Schwiegersohn des Julius Agricola,
der von 80-84 Gouverneur von Britannien war. Wenn Pilatus tatsächlich
einen Bericht nach Rom gesandt hatte, würde Tacitus wahrscheinlich
eher als alle anderen Schriftsteller davon erfahren haben." F.F.Bruce,
Das Neue Testament, glaubwürdig, wahr, verlässlich, 1943, 4.
Auflage 1997, S.126
1.1.2. Gaius
Tranquillus Sueton (69-ca.122 n. Chr.), röm. Kaiserbiograph,
Kanzleichef Hadrians, kennt einen Chrestos, Leben der Cäsaren, Claudius
§25.4
"Da die Juden unter ihrem Anführer Chrestos [Christus]
beständig Unruhe stiften, vertrieb er [Claudius] sie aus Rom."
Auch das NT berichtet darüber, dass Claudius die
Juden aus Rom vertrieb:
Apg 18,1-3
1 Danach schied er [Paulus] von Athen und kam nach Korinth.
2 Und er fand einen Juden namens Aquila, aus Pontus gebürtig,
der kürzlich aus Italien gekommen war, und Priszilla, seine Frau -
weil Klaudius befohlen hatte, daß alle Juden sich aus Rom entfernen
sollten -. Er ging zu ihnen,
3 und weil er gleichen Handwerks war, blieb er bei ihnen
und arbeitete; denn sie waren Zeltmacher ihres Handwerks.
Nero §16.2
"über die Christen, ein Geschlecht von Menschen,
die sich einem neuen und gottlosen Aberglauben ergeben haben, wurde die
Todesstrafe verhängt."
"Wer dieser Chrestos war, ist nicht gewiss. Das Wahrscheinlichste ist, dass der Kampf unter den römischen Juden jener Tage eine Folge des ersten Auftretens von Christen in römisch-jüdischen Kreisen war. So mag Suetonius, vielleicht als er die Berichte fand über die jüdischen Streitigkeiten um einen gewissen Chrestus (die in heidnischen Kreisen mögliche Variante der Aussprache des Wortes Christus) zu Unrecht gefolgert haben, diese Person habe sich zur Zeit des Claudius in Rom aufgehalten." F.F.Bruce, Das Neue Testament, glaubwürdig, wahr, verlässlich, 1943, 4. Auflage 1997, S.127
1.1.3.Gajus
Plinius
Caecilius Secundus (61-113 n. Chr.), röm. Autor, erfolgreicher
Anwalt und Konsul erwähnt Christus, den die Christen als Gott verehrten.
Er schrieb Kaiser Trajan (53-117 n. Chr., röm. Kaiser 98-117 n. Chr.)
um Rat, wie er die Christen behandeln solle, er erläuterte, daß
er Männer wie Frauen, Jungen wie Mädchen hatte töten lassen.
Es wurden so viele getötet, daß er sich fragte ob er weiterhin
jeden töten sollte, der als Christ entdeckt wurde. Er schrieb um 112
n. Chr. von den Verhörten:
Briefe X.96
"Es ist mir wichtig, Herr, alles, worüber ich im
Zweifel bin, dir vorzutragen. Denn wer kann besser mein Zaudern lenken
oder meine Unkenntnis belehren?
An Gerichtsverhandlungen gegen Christen habe ich niemals
teilgenommen; daher weiß ich nicht, was und wieweit man zu strafen
oder nachzuforschen pflegt. Ich war auch ganz unschlüssig, ob das
Lebensalter einen Unterschied macht, oder ob die ganz Jungen genauso behandelt
werden wie die Erwachsenen; ob bei Reue Verzeihung gewährt werden
soll oder ob es dem, der einmal Christ gewesen ist, nichts nützt,
wenn er davon abgelassen hat; ob schon der blosse Name, auch wenn kein
Verbrechen vorliegt, oder nur mit dem Namen verbundene Verbrechen bestraft
werden.
Einstweilen bin ich mit denen, die bei mir als Christen
angezeigt wurden, folgendermaßen verfahren: ich habe sie gefragt,
ob sie Christen seien. Die Geständigen habe ich unter Androhung der
Todesstrafe ein zweites und drittes Mal gefragt. Die dabei blieben, ließ
ich abführen. Denn ich war der Überzeugung, was auch immer es
sei, was sie damit eingestanden, daß auf alle Fälle ihr Eigensinn
und ihre unbeugsame Halsstarrigkeit bestraft werden müsse. Es gab
auch noch andere mit ähnlichem Wahn, die ich, weil sie römische
Bürger waren, zur Überstellung nach Rom vorgemerkt habe. Während
der Verhandlung breitete sich gewöhnlich die Anschuldigung weiter
aus und es ergaben sich mehrere verschieden gelagerte Fälle.
Es wurde eine Schrift ohne Verfasserangabe vorgelegt,
die viele Namen enthielt. Diejenigen, die bestritten, Christen zu sein
oder gewesen zu sein, glaubte ich freilassen zu müssen, da sie mit
einer von mir vorgesprochenen Formel die Götter anriefen und vor Deinem
Bild, das ich zu diesem Zwecke zusammen mit den Bildern der Götter
herbeibringen ließ, mit Weihrauch und Wein opferten und außerdem
Christus schmähten, Dinge, zu denen wirkliche Christen, wie man sagt,
nicht gezwungen werden können.
Andere, von den Denunzianten Genannte erklärten
zunächst, Christen zu sein, leugneten es aber bald wieder: sie seien
zwar Christen gewesen, hätten dann aber davon abgelassen, manche vor
drei Jahren, manche vor noch mehr Jahren, einige sogar vor zwanzig Jahren.
Auch diese haben alle Dein Bild und die Statuen der Götter verehrt
und Christus geflucht. Sie versicherten darüber hinaus, ihre ganze
Schuld oder ihr ganzer Irrtum habe darin bestanden, daß sie sich
gewöhnlich an einem bestimmten Tage vor Sonnenaufgang versammelten,
Christus wie einem Gott einen Wechselgesang darbrachten und sich durch
Eid nicht etwa zu irgendeinem Verbrechen verpflichteten, sondern keinen
Diebstahl, Raubüberfall oder Ehebruch zu begehen, ein Versprechen
nicht zu brechen, eine angemahnte Schuld nicht abzuleugnen. Danach seien
sie gewöhnlich auseinander gegangen und dann wieder zusammengekommen,
um Speise zu sich zu nehmen und zwar ganz gewöhnliche und unschädliche;
selbst das hätten sie nach meinem Erlaß, mit dem ich deinen
Aufträgen entsprechend Vereine verboten hatte, unterlassen. Für
um so notwendiger hielt ich es, aus zwei Mägden, die Dienerinnen genannt
werden, unter der Folter herauszubekommen, was wahr sei. Ich fand nichts
anderes als einen wüsten, maßlosen Aberglauben. Deswegen ist
die Untersuchung aufgeschoben worden und ich habe mich beeilt, Deinen Rat
einzuholen. Die Angelegenheit schien mir nämlich einer Beratung zu
bedürfen, insbesondere wegen der Anzahl der gefährdeten Personen.
Denn viele jeden Alters, jeden Ranges, auch beiderlei Geschlechts sind
jetzt und in der Zukunft gefährdet. Nicht nur über die Städte,
sondern auch über die Dörfer und das flache Land hat sich die
Seuche dieses Aberglaubens ausgebreitet. Es scheint aber, daß sie
aufgehalten und in die richtige Richtung gelenkt werden kann. Ziemlich
sicher steht fest, daß die fast schon verödeten Tempel wieder
besucht und die lange eingestellten feierlichen Opfer wieder aufgenommen
werden, und daß das Opferfleisch, für das kaum noch ein Käufer
gefunden wurde, überall wieder zum Verkauf angeboten wird. Daraus
kann man leicht erkennen, welche Menge Menschen gebessert werden kann,
wenn man Gelegenheit zur Reue gibt."
1.1.4. Kaiser
Trajan
(Marcus Ulpius Traianus) lebte von 53-117 n. Chr., röm. Kaiser von
98-117 n. Chr., antwortete Plinius folgendes in einem Brief:
Briefe X.97
"Du hast, mein Secundus, bei der Untersuchung der Fälle
derer, die bei dir als Christen angezeigt wurden, die Verfahrensweise befolgt,
die notwendig war. Denn etwas allgemein gültiges, das gleichsam einen
festen Rahmen bietet, kann nicht festgelegt werden. Nach ihnen fahnden
soll man nicht. Wenn sie angezeigt und überführt werden, müssen
sie bestraft werden, jedoch so, daß, wer leugnet, Christ zu sein,
und dies durch eine entsprechende Handlung beweist, nämlich durch
die Anrufung unserer Götter, wegen seiner Reue Verzeihung erhält,
selbst wenn er für die Vergangenheit verdächtig bleibt.
Anonym vorgelegte Klageschriften dürfen bei keiner
Straftat Platz haben, denn das wäre ein schlechtes Beispiel und paßt
nicht zu unserer Zeit."
1.1.5. Kaiser Flavius Claudius Iulianus [* 331 in Konstantinopel; † 26. Juni 363 in der Nähe von Maranga am Tigris], bekannt als Julian Apostata (griechisch Ἰουλιανὸς ὁ Ἀποστάτης ‚Julian der Abtrünnige‘), sehr selten auch als Julian II. bezeichnet, war von 361 bis 363 n.Chr. römischer Kaiser schrieb folgendes über Jesus (er wollte in seiner philosophischen Streitschrift gegen die Christen die Fehler und die Gefahren des christlichen Glaubens aufzeigen und porträtierte die Christen als Abtrünnige des Judentums, einer viel älteren und allgemein akzeptierten Religion):
"Jesus,
[...] der dem Namen nach aber bereits seit etwas mehr als 300
Jahren
bekannt ist: Dabei hat er in seiner Lebenszeit nichts vollbracht, das
es wert wäre, gehört zu werden, es sei denn, dass irgendjemand denkt,
dass man es als eine mächtige Errungenschaft klassifizieren könnte, dass
er in den Dörfern von Bethsaida und
Bethanien Krüppel und Blinde geheilt und böse Dämonen aus Besessenen
ausgetrieben hat."
Julian Apostata, Gegen die Galiläer, d.h. gegen die Christen, ins
Deutsche übersetzt nach der engl. Übersetzung aus dem Lateinischen:
"Jesus,
[...] has been known by name for but little more than three hundred
years: and during his lifetime he accomplished nothing worth hearing
of, unless anyone thinks that to heal crooked and blind men and to
exorcise those who were possessed by evil demons in the villages of
Bethsaida and Bethany can be classed as a mighty achievement." Julian
Apostata, AGAINST THE GALILAEANS [lat. Original: Contra Galilaeos], translated by Wilmer Cave Wright, PH.D., Book I
Quelle: http://www.tertullian.org/fathers/julian_apostate_galileans_1_text.htm
1.2.1. Falvius Josephus (Joseph ben Mathitjahu), ein jüdischer Historiker (37-100 n. Chr.) und Pharisäer schrieb in seinen Jüdischen Altertümern XVIII.3.3: "Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mensch, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten und der Lehrer aller Menschen, die mit Freuden die Wahrheit aufnahmen. So zog er viele Juden und auch viele Heiden an sich. Er war der Christus. Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu. Denn er erschien ihnen am dritten Tage wieder lebend, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere wunderbare Dinge von ihm vorher verkündigt hatten. Und noch bis auf den heutigen Tag besteht das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen, fort."
Die kursiv gestellten Sätze sind als mögliche spätere christliche Einschübe (bzw. Interpolationen) besonders umstritten. Es gibt jedoch noch eine arab. Version des Testimonium Flavianum (wie diese sehr berühmte Stelle genannt wird) in einem arab. Dokument names Kitab Al-Unwan Al-Mukallal Bi-Fadail Al-Hikma Al-Mutawwaj Bi-Anwa Al Falsafa Al Manduh Bi-Haqaq Al-Marifa (übs. in etwa: Buch der Geschichte, geführt durch alle Tugenden der Weisheit, gekrönt mit allerlei Philosophien und gesegnet durch die Wahrheit der Erkenntnis) das aus dem 4. Jhd. stammt, im Kitab al'Unwan des Agapius zitiert wird, das aus dem 10. Jhd. zu uns gelangt ist, Sholomo Pines, An Arabic Version of the Testimonium Flavianum and its Implications, 1971, S.16:
"Zu dieser Zeit gab es einen weisen Menschen namens Jesus. Und sein Wandel war gut und [er] war als tugendhaft bekannt. Und viele Leute aus den Juden und den anderen Völkern wurden seine Jünger. Pilatus verurteilte ihn zur Kreuzigung und zum Tode. Und alle, die seine Jünger geworden waren, blieben in seiner Jüngerschaft. Sie berichteten, daß er ihnen drei Tage nach der Kreuzigung erschienen sei und daß er lebendig sei; demnach war er vielleicht der Messias, über den die Propheten Wunder erzählt haben."
Der Historiker Earle E. Cains schrieb zum Testimonium
in "A Gospel Without Myth?", S.50:
"Selbst wenn man von einigen christlichen Interpolationen
ausgeht, stimmen doch die meisten Wisssenschaftler darin überein,
daß die oben erwähnte grundlegende Information (daß Jesus
ein >weiser Mann< war, den Pilatus zum Tode am Kreuz verurteilte) höchstwahrscheinlich
zum ursprünglichen Text gehört. Ganz gewiß war Josephus
kein Freund des Christentums, und seine Erwähnung Christi hat deshalb
in erster Linie historischen Wert."
Es gibt bei Josephus noch eine kurze andere Stelle (Jüdische
Altertümer, XX.9.1), die sich auch auf Jesus bezieht. Josephus schreibt
über das hochfahrende Verhalten des Ananus, eines jüdischen Hohenpriesters,
nach dem Tod des Prokurators Festus (61 n.Chr.) folgendes:
"Der jüngere Ananus jedoch, von dessen Erhebung
zum Hohenpriester wir gesprochen haben, war von heftiger und höchst
verwegener Gemütsart; dabei gehörte er zur Sekte der Sadduzäer,
die, wie schon früher bemerkt, im Gericht unerbittlicher als alle
anderen Juden verfahren. Zur Befriedigung einer solchen Hartherzigkeit
glaubte Ananus auch jetzt, da Festus gestorben, Albinuns aber noch nicht
angekommen war, eine günstige Gelegenheit gefunden zu haben; er versammelte
daher den Hohen Rat zum Gericht und stellte vor denselben Jakobus, den
Bruder des Jesus, der der Christus genannt wurde, und einige andere, klagte
sie als Übertreter des Gesetzes an und ließ sie zur Steinigung
verurteilen."
"Origenes [Gegen Celsus, 1.47; 2.13] und Eusebius [Kirchengeschichte,
2.23.21+22] kannten diese Stelle [...]. In größerer Ausführlichkeit
berichtet Hegesippus, ein jüdischer Schriftsteller aus der Zeit um
170, die Geschichte vom Tode Jakobus des Gerechten, wie der Bruder Jesu
genannt wurde. [Die Erzählung des Hegesippus ist enthalten in: Eusebius,
Kirchengeschichte, 2.23.4-19a] Der Bericht des Josephus ist deshalb besonders
wichtig, weil er Jakobus den »Bruder Jesu, des sogenannten Christus«,
nennt. Dies geschieht in einer solchen Weise, daß man annehmen muß,
er habe Jesus bereits vorher einige Male erwähnt. Tatsächlich
findet sich in allen bekannten Texten von Josephus' Schrift »die
jüdischen Altertümer« (XVIII. 3.3) das sogenannte »Testimonium
falvianum« mit Hinweisen auf Jesus."
F.F.Bruce, Das Neue Testament, glaubwürdig, wahr,
verlässlich, 1943, 4. Auflage 1997, S.115f
Louis Feldmann, Professor für Klassisches Altertum
an der Yeshiva University und Übersetzer der Altertümer für
die englische Loeb Edition sagt über die Glaubwürdigkeit dieser
Josephus Stelle, Josephus, Altertümer, Loeb edition, Bd IX S.496:
"Nur wenige haben je die Echtheit dieser Passage angezweifelt."
1.2.2. Babylonischer
Talmud,
Baraita Sanhedrin 43a:
"Am Vorabend des Passafestes hängte man Jeschu.
Vierzig Tage vorher hatte der Herold ausgerufen: 'Er wird zur Steinigung
hinausgeführt, weil er Zauberei getrieben und Israel verführt
und abtrünnig gemacht hat; wer etwas zu seiner Verteidigung zu sagen
hat, der komme und sage es.' Da aber nichts zu seiner Verteidigung vorgebracht
wurde, so hängte man ihn am Vorabend des Passafestes!"
Eine andere Version des Textes sagt: »Yeshu, der
Nazarener«.
Jeschu ist die Kurzform des hebr. Namens Jeschua. Die
griech./lat. Form von Jeschua ist Jesus.
Der jüdische Gelehrte Klausner schreibt in: Jesus
von Nazareth. Seine Zeit, sein Leben und seine Lehre, 1952, S.31
"Der Talmud spricht von Aufhängen an Stelle von
Kreuzigung, da diese schreckliche Form der Todesstrafe den jüdischen
Gelehrten nur von römischen Gerichtsverfahren her bekannt war. Im
jüdischen Rechtswesen gab es das nicht. Selbst der Apostel Paulus
erklärt [Gal 3,13] die Stelle ›verflucht ist, wer am Holz hängt‹
[5. Mose 21,23] als auf Jesus bezogen."
Zu dem Verführen durch Zauberei:
Auch die Evangelien berichten davon, dass die Juden Jesus
anklagten mit dem Teufel im Bunde zu sein:
Mt 9,34
34 Die Pharisäer aber sagten: Er treibt die Dämonen
aus durch den Obersten der Dämonen.
Mk 3,22
22 Und die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen
waren, sagten: Er hat den Beelzebul, und: Durch den Obersten der Dämonen
treibt er die Dämonen aus.
Lk 11,15
15 Einige aber von ihnen sagten: Durch Beelzebul, den
Obersten der Dämonen, treibt er die Dämonen aus.
Joh 7,19-20
19 Hat nicht Mose euch das Gesetz gegeben? Und keiner
von euch tut das Gesetz. Was sucht ihr mich zu töten?
20 Die Volksmenge antwortete: Du hast einen Dämon.
Wer sucht dich zu töten?
1.3.1. Der
griechische Satiriker Lukian (Lucian) von Samosata (120-ca.180 n.
Chr.) schrieb um das Jahr 170 n. Chr. über das Lebensende des Peregrinus:
De morte Peregrini, 11
"Übrigens verehrten diese Leute den bekannten Magus,
der in Palästina deswegen gekreuzigt wurde, weil er diese neuen Mysterien
in die Welt eingeführt hatte... Denn diese armen Leute haben sich
in den Kopf gesetzt, dass sie mit Leib und Seele unsterblich werden, und
in alle Ewigkeit leben würden: daher kommt es dann, dass sie den Tod
verachten und viele von ihnen ihm sogar freiwillig in die Hände laufen.
Überdies hat ihnen ihr erster Gesetzgeber beigebracht, dass sie untereinander
alle Brüder würden, sobald sie den großen Schritt getan
hätten, die griechischen Götter zu verleugnen, und ihre Knie
vor jenem gekreuzigten Sophisten zu beugen, und nach seinen Gesetzen zu
leben."
1.4.1. Der syrische Stoiker Mara
Bar-Serapion schrieb aus dem Gefängnis an seinen Sohn Serapion
(73-132 n. Chr.) folgenden Brief:
"Welchen Vorteil hatten die Athener davon, dass sie Sokrates
zum Tode verurteilten? Hunger und Seuchen kamen über sie als Strafe
für ihr Verbrechen. Welchen Vorteil hatten die Männer von Samos
davon, dass sie Pythagoras verbrannten. In einem Augenblick wurde ihr Land
von Sand zugedeckt. Was hatten die Juden davon, dass sie ihren weisen König
umbrachten? Ganz kurze Zeit darauf wurde ihr Königtum abgeschafft.
Gott rächte diese drei Weisen: die Athener starben Hungers; die Bewohner
von Samos wurden vom Meer überwältigt und die Juden aus ihrem
Land vertrieben, nachdem es zerstört worden war. Danach lebten sie
in vollständiger Zerstreuung. Doch Sokrates starb nicht umsonst. Er
lebt fort in den Lehren des Plato; auch Pythagoras starb nicht umsonst,
er lebt fort in der Statue der Hera. Und auch der weise König der
Juden starb nicht umsonst; er lebt weiter in der Lehre, die er verkündet
hat." Brieftext als Manuskript im Britischen Museum
"Dieser Schriftsteller war wohl kaum ein Christ; sonst
hätte er gesagt, Christus lebt weiter, da er von den Toten auferstanden
ist. Es ist viel wahrscheinlicher, dass er ein heidnischer Philosoph war,
der als erster das tat, was später allgemein Sitte wurde, dass man
nämlich Christus mit den Weisen des Altertums auf einen Boden stellte."
F.F.Bruce, Das Neue Testament, glaubwürdig, wahr,
verlässlich, 1943, 4. Auflage 1997, S.122
1.5.1. Thallus
Einer der ersten säkularen Autoren, der Christus
erwähnt, ist Thallus (möglicherweise ein Samariter). Etwa um
52 n.Chr. schrieb Thallus eine Geschichte des östlichen Mittelmeerraumes
vom Trojanischen Krieg angefangen bis zu seiner eigenen Zeit. Leider
existieren seine Schriften heute nur noch in Fragmenten, die man den Zitaten
anderer Schriftsteller entnehmen kann. Einer dieser anderen Autoren ist
z.B. Julius Africanus, ein Christ, der sein Werk um das Jahr 221 n.Chr.
verfasste. Eine sehr interessante Passage bezieht sich auf eine Bemerkung,
die Thallus über die Finsternis macht, die sich an jenem späten
Nachmittag über das Land ausbreitete, als Jesus am Kreuz starb.
Africanus berichtet:
"Thallus erklärt im dritten Buch seiner 'Geschichte'
die Dunkelheit als eine Sonnenfinsternis - was mir unbegründet erscheint."
Julius Africanus, Chronographie 18.1
Unbegründet erscheint es deswegen, weil eine Sonnenfinsternis nicht zur Zeit des Vollmondes stattfinden kann. Und es war die übliche Pascha-Vollmondzeit, als Jesus starb.
Lukas berichtete folgendermassen über diese Finsternis:
Lk 23,44-45
44 Und es war schon um die sechste Stunde [d.i. zwischen
11 und 12 Uhr vormittags]; und es kam eine Finsternis über das ganze
Land bis zur neunten Stunde,
45 da sich die Sonne verfinsterte; der Vorhang des Tempels
aber riß mitten entzwei.
"Thallus ist mit einem Samariter desselben Namens, den
Josephus (Jüd. Altertümer, XVIII. 6.4) als einen Lehensmann des
Tiberius erwähnt, gleichgesetzt worden. [...]
Aus dieser Bemerkung des Julius Africanus zog man zwei
Folgerungen:
1. Die Evangeliumsüberlieferung, zum mindesten die
Passionsgeschichte, war in Rom in nichtchristlichen Kreisen gegen die Mitte
des 1. Jahrhunderts bekannt;
2. die Gegner des Christentums bemühten sich, diese
Überlieferung zu widerlegen, indem sie eine natürliche Erklärung
für die darin berichteten Tatsachen beibrachten." F.F.Bruce, Das Neue
Testament, glaubwürdig, wahr, verlässlich, 1943, 4. Auflage 1997,
S.121
1.5.2. Phlegon
Ein anderer säkularer Autor war Phlegon. Er schrieb
eine Geschichte unter der Bezeichnung Chroniken. Während auch dieses
Werk verloren ging, bewahrte Julius Africanus ein kleines Fragment davon
in seinen Schriften. Wie Thallus bestätigt auch Phlegon, dass bei
der Kreuzigung Jesu eine Finsternis über das Land hereinbrach, die
auch er als eine Sonnenfinsternis erklärt:
"Während der Zeit des Kaisers Tiberius gab es eine Sonnenfinsternis bei Vollmond." Julius Africanus, Chronographie, 18.1
Außer von Africanus wird Phlegons Hinweis auf dieses Ereignis auch noch bei Origenes, einem christlichen Apologeten aus dem 3. Jahrhundert erwähnt (Origenes, Gegen Celsus, 2.14,33,59) und ebenfalls von Philopon, einem Schreiber aus dem 6. Jhd. (De. opif. mund. II 21)
2.1. Clemens von Rom (Clemens
Romanus), Bischof von Rom (von 92-101 n.Chr.), der Überlieferung nach
der dritte Nachfolger nach Petrus (nach Linus und Anenkletus). Er schrieb
den sog. 1. Clemensbrief, ein um 96 n.Chr. von Clemens verfaßtes
ausführliches Sendschreiben der römischen Gemeinde an die Gemeinde
in Korinth, darin heisst es:
"Die Apostel sind für uns mit dem Evangelium beauftragt
worden vom Herrn Jesus Christus; Jesus, der Christus, ist von Gott ausgesandt
worden. Christus also von Gott her, und die Apostel von Christus her. Es
geschah also beides in guter Ordnung nach dem Willen Gottes. Da sie also
Aufträge empfangen hatten und mit Gewißheit erfüllt worden
waren durch die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus und Vertrauen
gefaßt hatten durch das Wort Gottes, zogen sie mit der Fülle
des Heiligen Geistes aus, verkündigend, daß das Reich Gottes
kommen werde. In Ländern und Städten also predigend setzten sie
ihre Erstlinge ein, nachdem sie sie im Geist geprüft hatten, zu Episkopen
[Bischöfen] und Diakonen derer, die künftig glauben würden.
Und dies war nichts Neues; denn es war ja seit langen Zeiten geschrieben
über Episkopen [Bischöfe] und Diakonen. So nämlich sagt
irgendwo die Schrift: 'Ich werde einsetzen ihre Episkopen [Bischöfe]
in Gerechtigkeit und ihre Diakonen in Treue.'" Clemens von Rom, 1.Clemensbrief,
42,1-42,5
Zur Entstehung dieses 1. Clemensbriefes berichtet Irenäus:
"Irenäus schreibt: Nachdem die seligen Apostel die
Kirche gegründet und eingerichtet hatten, übertrugen sie dem
Linus das bischöfliche Amt. Dieses Linus gedenkt Paulus in den Briefen
an Timotheus [2.Tim 4,21 Es grüßt dich Eubulus und Pudens
und Linus und Klaudia und die Brüder alle.]. Auf Linus folgt Anenkletus.
Nach diesem - an dritter Stelle von den Aposteln an gerechnet - erhält
Clemens das Episkopat [Bischofsamt]. Er hat die seligen Apostel noch gesehen
und mit ihnen verkehrt und vernahm mit eigenen Ohren die Predigt der Apostel
und schaute noch mit Augen, was überliefert war. Doch nicht er allein,
denn damals waren noch viele am Leben, die von den Aposteln unterrichtet
worden waren. Als nun unter diesem Clemens ein nicht unbedeutender Aufruhr
die Brüder in Korinth heimgesucht hatte, sandte die römische
Kirche ein eindrucksvolles Schreiben an die Korinther, ermahnte sie zum
Frieden und frischte ihren Glauben und die Überlieferung auf, die
sie unlängst von den Aposteln empfangen hatte." Eusebius, Kirchengeschichte,
5.6.1ff
2.2. Ignatius
(Ignatius Theophoros), Bischof von Antiochia (um 35-ca.117 n. Chr.), war
der Überlieferung nach ein Schüler des Petrus, Paulus und Johannes
und starb in Rom im Kolloseum den Märtyrertod, als er den Löwen
vorgeworfen wurde.
"[Seid] ... vielmehr vollkommen davon überzeugt
... von der Geburt, dem Leiden und der Auferstehung, die sich zur Zeit
der Regierung des Pontius Pilatus ereignet haben. All dies wurde wirklich
gewiß durch Jesus, unsere Hoffnung vollbracht." Magnesierbrief 11
"Jesus Christus, der aus dem Geschlecht Davids stammt,
der Sohn der Maria war, der wirklich Mensch wurde, der aß und trank,
wirklich verfolgt wurde unter Pontius Pilatus, wirklich gekreuzigt wurde
und angesichts aller starb ... der auch wirklich von den Toten erweckt
wurde, da sein Vater ihn auferstehen ließ." Trallianerbrief 9.1-2
"Erkannte ich euch doch als ... restlos überzeugt
von unserem Herrn, der dem Fleisch nach wirklich aus Davids Geschlecht
stammt, nach Gottes Willen und Macht der Sohn Gottes ist, wirklich geboren
von der Jungfrau, getauft durch Johannes, auf dass jegliche Gerechtigkeit
an ihm erfüllt werde, wirklich unter Pontius Pilatus und dem Vierfürsten
[Tetrarch] Herodes [Antipas] um unseretwillen angenagelt im Fleisch." Smyrnäerbrief
1.1-2
"Ich nämlich weiss, dass er auch nach der Auferstehung
im Fleisch ist. Und als er zu Petrus und seinen Gefährten kam, sprach
er zu ihnen: Faßt an, betastet mich und seht, dass ich kein körperloser
Geist bin. Und sogleich betasteten sie ihn und glaubten, da sie von seinem
Fleisch und Geist überzeugt wurden. Deshalb verachteten auch sie den
Tod und zeigten sich ihm überlegen. Nach seiner Auferstehung aß
und trank er als einer der einen Körper besitzt mit ihnen, auch wenn
er geistlich mit seinem Vater verbunden war." Smyrnäerbrief 3.1-2
"Ist dies [Auferstehung] nämlich von unserem Herrn
nur zum Schein vollbracht worden, dann bin ich auch nur zum Schein gefesselt.
Wozu hätte ich mich dann aber dem Tod ausgeliefert,
dem Feuer, dem Schwert, den wilden Tieren?" Smyrnäerbrief, 4.2
2.3. Justin,
der Märtyrer (100-166 n. Chr.), ehem. Philosoph (Platon, Stoa),
Prediger, Missionar und Theologe aus Sichem (Flavia Neapolis) schrieb 150
n. Chr. in seiner Apologie I,34
"Es ist das eine Ortschaft, im jüdischen Lande,
35 Stadien von Jerusalem entfernt, in der Jesus Christus geboren wurde,
wie ihr auch aus den Zensuslisten ersehen könnt, die unter Quirinius,
eurem ersten Landpfleger in Judäa, angefertigt worden sind."
Justin bezieht sich hier auf Lk
2,1-2: "Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem
Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde.
Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius
Statthalter in Syrien war."
I,35
"Die Worte aber: >Sie haben meine
Hände und Füße durchbohrt [Ps 22.16]< deuten auf Nägel
hin, die ihm am Kreuz durch Hände und Füße getrieben wurden.
Und nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, warfen die, welche ihn gekreuzigt
hatten, über seine Kleidung das Los und teilten sie untereinander.
Daß das so geschehen ist, könnt ihr aus den unter Pontius Pilatus
angefertigten Akten ersehen."
"Daß er [Jesus] das [seine Wunder] wirklich getan
hat, könnt ihr aus den unter Pontius Pilatus aufgenommenen Akten ersehen."
II,12
"Denn auch ich selbst kam, als
ich noch in Platons Lehren meine Befriedigung fand und von den verleumdeten
Christen hörte, beim Anblick ihrer Furchtlosigkeit vor dem Tode und
vor allem anderen, was für entsetzlich gilt, zu der Einsicht, daß
sie unmöglich in Lasterhaftigkeit und Sinnenlust befangen sein
könnten. Denn welcher Lüstling oder Schlemmer, der gar Menschenfleisch
für einen Leckerbissen hält, könnte wohl den Tod willkommen
heißen, um so seiner Genüsse verlustig zu gehen? Würde
er nicht, statt sich selbst zur Hinrichtung zu melden, vielmehr um jeden
Preis sein Leben hier auf immer fortzuführen und vor der Obrigkeit
verborgen zu bleiben suchen?"
2.4. Irenäus,
Bischof von Lyon, ein Schüler des Polycarp, der seinerseits ein Schüler
des Apostels Johannes war, geb. um 135 in Kleinasien, gest. um 202, erzählte
folgendes:
"Als ich ein kleiner Junge war, sah ich Dich [Florinus,
ein Irrlehrer] in Klainasien mit Polycarp am königlichen Hof ... wie
Du versuchtest seine Anerkennung zu gewinnen. Da ich eine lebhaftere Erinnerung
an das habe, was zu dieser Zeit geschah, als an die unmittelbar zurückliegenden
Dinge, ... kann ich sogar den Platz beschreiben, wo der gesegnete Polycarp
gewöhnlich sass und redete - auch wie er wegging und wie er wieder
zurück kam - seinen allgemeinen Lebenswandel und seine persönliche
Erscheinung, zusammen mit den Reden, die er vor den Leuten hielt; auch
wie er über seinen vertrauten Umgang mit Johannes und mit den anderen,
die den Herrn gesehen hatten, sprach; und wie er ihre Worte ihnen ins Gedächtnis
rief. Was auch immer die Dinge waren, die er bezüglich des Herrn gehört
hatte, bezüglich beidem, seiner Wunder und seiner Lehren, Polycarp
hatte dieses von den Augenzeugen des Wortes des Lebens empfangen, so erzählte
er all die Dinge in Übereinstimmung mit den Schriften. Diesen Dingen,
hörte ich durch Gottes Gnade, die auf mir war, aufmerksam zu und hielt
sie in Ehren, nicht indem ich sie aufschrieb, sondern indem ich sie in
meinem Herzen bewahrte und ich fahre durch Gottes Gnade fort, mich an diese
Dinge genau zu erinnern. Und ich kann vor Gott bezeugen, dass wenn dieser
gesegnete und apostolische Älteste [griech. Presbyter] solch etwas
gehört hätte, würde er aufgeschrien und sich die Ohren zugehalten
haben und hätte ausgerufen: 'Oh guter Gott, für welche Zeiten
hast Du mich zurückbehalten, dass ich solche Dinge ertragen muss?'
Und er wäre von diesem Platz, wo er sass oder stand, geflüchtet,
wenn er solche Worte gehört hätte." Irenäus Fragmente, II;
Eusebius, Kirchengeschichte, 5.20.7
2.5. Quadratus war einer der
frühesten Apologeten und ein Schüler der Apostel und Bischof
der Gemeinde von Athen. Eusebius hat die einzigen Zeilen, die uns von seiner
Verteidigung vor dem römischen Kaiser Hadrian (ca. 125 n.Chr.) überliefert
sind, bewahrt:
"Die Taten unseres Erlösers sind euch immer gegenwärtig,
denn sie waren wirkliche Wunder; die Geheilten, die vom Tode Auferweckten,
die nicht nur im Augenblick des Geschehens sichtbar waren, sondern auch
weiterhin. Sie lebten noch lange danach, nicht nur, solange unser Herr
auf der Erde weilte. Einige von ihnen haben sogar bis in unsere Zeit hinein
gelebt." Eusebius, Kirchengeschichte, 4.3.2
2.6. Barnabasbrief
Er wurde um ca. 130-132 n.Chr. von einem unbekannten
Christen namens Barnabas geschrieben. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass
es sich um den Barnabas der Apostelgeschichte handelt. Der Brief wurde
z.B. durch den Codex Sinaiticus (4.Jhd., jetzt in London, Britisches Museum)
überliefert
und folgt dort dem NT. Dort ist folgendes zu lesen:
"Jubelt ihm alle zu, ihr Söhne und Töchter
in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus, welcher uns in Frieden liebte."
Barnabasbrief, 1.1
"Er [Jesus] selbst litt, damit er den Tod zerstören
und die Auferstehung von den Toten offenbaren könnte. Darum musste
er ins Fleisch kommen, damit er die Verheißung, die den Vätern
gegeben worden war, einlösen könnte, und indem er die neuen Menschen
für sich bereitete und damit während seines Erdenlebens darlegen
könnte, dass er, wenn er die Auferstehung der Menschheit vollzogen
haben wird, sie auch richten wird. Und mehr noch, er predigte und lehrte
in Israel und vollbrachte so viele Zeichen und Wunder. Er liebte das Volk
[Israel] über alle Maßen. Und als er seine eigenen Apostel erwählte,
die seine Botschaft predigen sollten - die in jeder Hinsicht auch Sünder
waren - da wollte er zeigen, dass er 'nicht gekommen war, um die Gerechten
zu rufen, sondern die Sünder zur Busse'. Und dann offenbarte er sich
als der Sohn Gottes." Barnabasbrief, 5.11+12
2.7. Tertullian
(Quintus Septimus Florens Tertullianus), Jurist und Presbyter (Ältester)
von Karthago (ca. 155/160 - ca. 220 n. Chr.) schrieb in seinen Apologien
V.2:
"Als nun Tiberius, zu dessen Zeiten der christliche Name
in die Welt hineinkam, aus Palästina die Nachricht der sich dort geoffenbarten
Gottheit erhalten hatte, so legte er die Sache dem Senat vor, mit der Erklärung
seiner Zustimmung für diese Gottheit. Der Senat aber, weil er sie
nicht selbst anerkannt hatte, verwarf den Antrag. Der Kaiser beharrte bei
seinem Spruch und bedrohte die Ankläger der Christen."
2.8. Sulpicius
Severus (360-ca.420 n.Chr.), Chronik II 29:
"Von da an begann Nero gegen die Christen zu wüten;
in der Folgezeit wurden Gesetze erlassen, durch die verboten wurde, Christ
zu sein."
3. Archäologische Indizien für die Existenz Jesu
Es ist eine Wandkritzelei unter der in griechisch (der damaligen Weltsprache) steht: "Alexamenos betet seinen Gott an.". Es wurde wahrscheinlich während des dritten Jhd. angefertigt und 1857 auf dem Hügel Palatin in Rom, wo einst Sklaven für den Hof des Kaisers ausgebildet wurden, bei Ausgrabungen freigelegt.
3.2. Zwei gefundene Särge aus dem 1. Jhd., tragen den Namen Jesus
1926 fand man ausserhalb von Jerusalem eine versiegelte
Grabstätte in einem Vorort namens Talpioth. Das Grab hatte alle Zerstörungen
überdauert und auch der Inhalt war unberührt.
Es befanden sich fünf Ossuarien darin (Urnen zur Aufbewahrung von
Gebeinen). Diese Ossuarien trugen einfache Inschriften, die ihr Entdecker,
Professor Eleazar L. Sukenik, als »früheste Urkunden des Christentums«
bezeichnete. Diese Ossuarien befanden sich in einem Grab, das schon vor
50 n. Chr. angelegt war. (Es konnte aufgrund einer gefundenen Münze
und den Verzierungen an den Ossuarien datiert werden.) Die Beschriftungen
lauteten
Iesous iou (griech.: Jesus hilf) und Yeshu aloth
(aramäisch.: Jesus lass ihn auferstehen?). Vier Kreuze waren ebenfalls
vorhanden. Wahrscheinlich war die erste Inschrift ein Gebet zu Jesus um
Hilfe und die zweite ein Gebet für die Auferstehung der Person, deren
Gebeine in dem Ossarium lagen.
Michael Green, Es komme mir keiner mit Tatsachen, 1973,
Hänssler Verlag, Neuhausen-Stuttgart, S.29f
Jüdische Gräber Jerusalems um Christi Geburt,
Jerusalem, 1931, S. 19
Fitzmyer & Harrington's Manual of Palestinian Aramaic
Texts
F.F. Bruce ist allerdings gegenteiliger Ansicht und meint,
dass es heute ziemlich sicher sei, dass diese beiden Jesus Inschriften
nichts mit Jesus von Nazareth zu tun haben, sondern sich auf zwei andere
Personen mit dem Namen Jesus beziehen, und verweist dann auf eine externe
Quelle: Vgl. J.P.Kane, »By No Means«, >The Earliest Records
of Christianity<, Palestine Exploration Quarterly, CIII (1971), S.103ff
F.F.Bruce, Das Neue Testament, glaubwürdig, wahr,
verlässlich, 1943, 4. Auflage 1997, S.102
Wer auch immer recht haben mag, auf jeden Fall belegen diese Inschriften, dass es Anfang des ersten Jhds. in Israel Männer mit dem Namen Jesus gegeben hat.
Der Fisch wurde im Urchristentum als Symbol benutzt, das als Akronym ihren Glauben an Jesus als den Christus (griech.) / Messias (hebr.) den Sohn Gottes, den Retter der Welt zum Ausdruck brachte. Die Anfangsburchstaben des griechischen Wortes für Fisch (ΙΧΘΥΣ) bilden dieses Akronym folgendermassen:
Jesus Christus wurde in der Urchristenheit also als Fisch (griech. Ichthys) bezeichnet und so belegen die Fischsymbole, die in der Archäologie häufig auftauchen, seine Existenz:
In den Katabomben von Rom finden sich z.B. viele Fischsymbole, die in Felsen geritzt wurden. Diese Katakomben wurden von den ersten Christen als Begräbnisstätte für Märtyrer, als Gottesdiensträume und als Zufluchtstätte vor den Verfolgungen durch die römischen Kaiser benutzt. Es gibt ca. vierzig solcher unterirdischen Begräbnisstätten. Sie wurden entlang von römischen Straßen (z.B. entlang der Via Appia (St. Calixtus und St. Sebastian), Via Ostiense, Via Labicana, Via Tiburtina, Via Nomentana, etc.) gebaut.


Katakombe St. Calliixtus, Fischsymbol mit Abendmahlsbrotkorb, ein koloriertes Fresko


Katakombe St. Sebastian

Begräbnisstele mit der Inschrift: ΙΧΘΥΣ ΖΩΝΤΩΝ (griech. "Fisch des Lebens"), frühes 3. Jhd., Nationalmuseum Rom
Auch in Ephesus, eine Stadt in Kleinasien am Mittelmeer (heutige Westtürkei) findet sich das Fischsymbol:

Ichthys Inschrift in Ephesus
In Megiddo wurde eine sehr alte Kirche aus dem 3. oder 4. Jhd. ausgegraben. Sie ist möglicherweise auch noch deulich älter. Ein Mosaikfussboden wurde bei den Grabungen freigelegt, der Fische zeigt.

Es wurden verschiedene Papyri gefunden, die sich
nicht direkt den kanonischen Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas und Johannes)
zuordnen lassen. Sie stellen eine weitere unabhängige Überlieferung der
Geschehnisse um Jesus dar und stützen so ebenfalls die Historizität
Jesu.
3.4.1 Papyrus Oxyrhynchos 840
"Papyrus Oxyrhynchos 840
Erläuterung: Im Jahre 1905 wurde dieses Fragment in Oxyrhynchos
(Behnesa, Mittelägypten) gefunden. Es ist wohl Teil eines
Amulettbüchleins aus dem 4./5. Jh. gewesen, das nur 8,5 x 7 cm maß. Die
Schrift ist daher mikroskopisch klein. - Der Text muß aus einem
verschollenen Evangelium »synoptischen Stils« stammen. Denn der
Vorwurf, sich nicht an die Reinheitsgesetze zu halten, ist aus Mk 7,1
ff bekannt, andererseits geißelt Jesus aber auch die hohle unethische
Reinheit der pharisäischen Kontrahenten (Mt 23,27f. Die »Wasser des
ewigen Lebens« könnten auf Verwandtschaft mit dem JohEv weisen. -
Datierung: zur Zeit der ältesten Evangelien, noch vor der Gabelung
synoptisch/johanneisch. Vorschlag: 60/65 n.Chr.
Griechischer Text nach A. de Santos Otero: Los evangelios apócrifos
Madrid 1963, 78-82.
... bevor er seine Schandtat begeht, überlegt er vorher alles. Doch achtet darauf, daß ihr nicht dasselbe wie sie erlebt. Denn böse Menschen müssen nicht nur, solange sie unter den Lebenden weilen, Vergeltung empfangen, sie leiden auch danach unter Bestrafung und Peinigung.« Dann nahm Jesus die Jünger mit und führte sie in den Tempelbezirk. Er ging im Tempel umher. Da trat ein pharisäischer Oberpriester namens Levi auf sie zu und fragte den Heiland: »Wer hat dir erlaubt, hier im heiligen Tempelbezirk herumzulaufen und diese heiligen Kultgeräte zu besichtigen, obwohl du dich nicht vorher gewaschen hast und deine Jünger ungewaschene Füße haben? Du hast dieses Heiligtum schmutzig betreten. Dies ist aber ein heiliger, reiner Ort. Jeder, der hier herumläuft und die Kultgeräte besichtigt, muß sich gewaschen und die Kleider gewechselt haben.« - Kaum hatte er das gesagt, da blieb der Heiland mit den Jüngern stehen und fragte zurück: »Du bist hier ja auch im Tempel. Bist du denn rein?« Der Oberpriester erwiderte: »Ja, ich bin rein. Denn ich habe mich im Davidsteich gewaschen, bin auf der einen Stiege hinab-und auf der anderen wieder hinaufgestiegen. Ich habe weiße, reine Kleider angezogen, und dann erst bin ich hergekommen und habe mir die heiligen Dinge angesehen.« Da sagte der Heiland zu ihm: »Wehe euch Blinden, die ihr nicht seht! Du hast dich in diesem stehenden Wasser gewaschen, in das Tag und Nacht Hunde und Schweine getrieben werden. Beim Waschen hast du die äußere Haut abgerieben. Auch die Dirnen und Flötenspielerinnen salben und baden die äußere Haut, reiben sie ab und schminken sie. So machen sie den Männern schöne Augen und wecken ihre Begierde. In ihrem Inneren aber wimmelt es von Skorpionen und Bosheit. Von meinen Jüngern und von mir sagst du, wir seien nicht gewaschen. Doch wir sind gewaschen, untergetaucht in allzeit lebendigem Wasser, das vom Himmel herabkommt... Aber wehe denen,..." Das Neue Testament und frühchristliche Schriften, Übersetzt und kommentiert von Klaus Berger und Christiane Nord, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1999, 6. revidierte Auflage 2003, S.299-300
Im NT wird von einer ähnlichen Konfrontation mit den Pharisäern und Schriftgelehrten berichtet:
Markus 7 "1 Und es versammeln sich zu ihm [Jesus] die Pharisäer und
einige der Schriftgelehrten, die von Jerusalem gekommen waren;
2 und als sie einige seiner Jünger mit unreinen, das ist ungewaschenen,
Händen Brot essen sahen -
3 denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie sich nicht
sorgfältig die Hände gewaschen haben, indem sie die Überlieferung der
Ältesten festhalten;
4 und vom Markt kommend, essen sie nicht, wenn sie sich nicht gewaschen
haben; und vieles andere gibt es, was sie zu halten übernommen haben:
Waschungen der Becher und Krüge und Kupfergefäße -,
5 fragen ihn die Pharisäer und die Schriftgelehrten: Warum leben deine
Jünger nicht nach der Überlieferung der Ältesten, sondern essen das
Brot mit unreinen Händen?
6 Er aber sprach zu ihnen: Treffend hat Jesaja über euch Heuchler
geweissagt, wie geschrieben steht: "Dieses Volk ehrt mich mit den
Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir.
7 Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren
Menschengebote lehren."
8 Ihr gebt das Gebot Gottes preis und haltet die Überlieferung der
Menschen fest.
9 Und er sprach zu ihnen: Trefflich hebt ihr das Gebot Gottes auf,
damit ihr eure Überlieferung haltet.
10 Denn Mose hat gesagt: "Ehre deinen Vater und deine Mutter!", und:
"Wer Vater oder Mutter flucht, soll des Todes sterben."
11 Ihr aber sagt: Wenn ein Mensch zum Vater oder zur Mutter spricht:
Korban - das ist eine Opfergabe - sei das, was dir von mir zugute
gekommen wäre,
12 lasst ihr ihn nichts mehr für Vater oder Mutter tun,
13 indem ihr das Wort Gottes ungültig macht durch eure Überlieferung,
die ihr überliefert habt; und Ähnliches dergleichen tut ihr viel.
14 Und als er die Volksmenge wieder herbeigerufen hatte, sprach er zu
ihnen: Hört mich alle und versteht!
15-16 Da ist nichts, was von außerhalb des Menschen in ihn hineingeht,
das ihn verunreinigen kann, sondern was aus dem Menschen herausgeht,
das ist es, was den Menschen verunreinigt.
17 Und als er von der Volksmenge weg in ein Haus eintrat, befragten ihn
seine Jünger über das Gleichnis.
18 Und er spricht zu ihnen: Seid auch ihr so unverständig? Begreift ihr
nicht, dass alles, was von außen in den Menschen hineingeht, ihn nicht
verunreinigen kann?
19 Denn es geht nicht in sein Herz hinein, sondern in den Bauch, und es
geht heraus in den Abort. Damit erklärte er alle Speisen für rein.
20 Er sagte aber: Was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt
den Menschen.
21 Denn von innen aus dem Herzen der Menschen kommen die bösen Gedanken
hervor: Unzucht, Dieberei, Mord,
22 Ehebruch, Habsucht, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Neid11,
Lästerung, Hochmut, Torheit;
23 alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und verunreinigen den
Menschen." Revidierte Elberfelder Übersetzung
Siehe auch: http://en.wikipedia.org/wiki/Oxyrhynchus_Gospels#Oxyrhynchus_840 und http://www-user.uni-bremen.de/~wie/texteapo/Pox840-d-greek.html und http://www.textexcavation.com/poxy840.html
"Die Schriftart (Datum der Abschrift) weist auf den Anfang des 4.Jh.
n.Chr. Der Wortlaut ist von den Synoptikern unabhängig, kommt aber aus
vergleichbarer Quelle. Entstehung des Textes: 60-65 n.Chr. - Die
Seitenangaben bei den folgenden Zitaten beziehen sich auf die
numerierten Seiten des Papyrusbuches in Oxyrhynchos, in dem man die
Texte gefunden hat: Griechischer Text nach B. P. Grenfell, A. S. Hunt,
Papyri Oxyrrhynchi X, London 1914, 1-10.
Als die Schriftgelehrten, Pharisäer und Priester Jesus sahen, waren sie
empört, daß er mit Sündern zu Tische lag. Jesus aber hörte es und
sagte: »Die Gesunden brauchen den Arzt nicht... (S. 175) und betet für
eure Feinde. Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch. Wer heute
fern ist, wird morgen nahe sein...« (S. 176)" Das Neue Testament
und frühchristliche Schriften, Übersetzt und kommentiert von Klaus
Berger und Christiane Nord, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1999, 6.
revidierte Auflage 2003, S.301
Folgende Texte aus dem NT sind ähnlich:
Lukas 5
"27 Und danach ging er [Jesus] hinaus und sah einen Zöllner, mit Namen
Levi, am Zollhaus sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach!
28 Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach.
29 Und Levi machte ihm ein großes Mahl in seinem Haus; und da war eine
große Menge von Zöllnern und anderen, die mit ihnen zu Tisch lagen.
30 Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten gegen seine
Jünger und sprachen: Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und
Sündern?
31 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden
brauchen einen Arzt, sondern die Kranken;
32 ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße."
Rev. Elberfelder Übersetzung
Lukas 9 "49 Johannes aber antwortete und sprach: Meister, wir sahen
jemand Dämonen austreiben in deinem Namen, und wir wehrten ihm, weil er
dir nicht mit uns nachfolgt.
50 Und Jesus sprach zu ihm: Wehrt nicht! Denn wer nicht gegen euch ist,
ist für euch."
Siehe auch: http://en.wikipedia.org/wiki/Oxyrhynchus_Gospels#Oxyrhynchus_1224 und http://www-user.uni-bremen.de/~wie/texteapo/ox1224.html und http://www.textexcavation.com/poxy1224.html
3.4.3 Fajjum Fragment
"Einleitung: Das Fragment (aus der Papyrussammlung
des Erzherzogs Rainer in Wien) ist auf das 3. Jh. zu datieren (Datum
der Abschrift). Man hat lange angenommen, der Text sei eine Vorstufe
zur synoptischen Evangelienbildung. - Heute sieht man den Text an als
»Exzerpt oder Fragment eines uns bisher nicht bekannten Evangeliums«
(W. Schneemelcher). - Der Name Fajjum-Fragment ist recht willkürlich;
Fajjum ist der mutmaßliche Fundort in Ägypten. Entstehung: mutmaßlich
60-65 n- Chr.
Als sie gegessen hatten, wie es der Brauch war, sagte Jesus: »Alle
werdet ihr in dieser einen Nacht straucheln. So steht es in der
Schrift: >Den Hirten will ich schlagen, und seine Schafe werden
verstreut werden.<« Da sagte Petrus: »Und wenn alle straucheln, ich
nicht.« Da erwiderte Jesus: »Ehe der Hahn zweimal gekräht hat, wirst du
mich dreimal verleugnen« ..." Das Neue Testament und frühchristliche
Schriften, Übersetzt und kommentiert von Klaus Berger und Christiane
Nord, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1999, 6. revidierte Auflage
2003, S.312
Vergleiche hierzu folgenden Text aus dem NT:
Mk 14 "27 Jesus spricht zu ihnen: Ihr werdet euch alle ärgern, denn es
steht geschrieben: 'Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe
werden zerstreut werden.'
28 Nachdem ich aber auferweckt sein werde, werde ich euch voran nach
Galiläa gehen.
29 Petrus aber sprach zu ihm: Wenn sich auch alle ärgern werden, ich
aber nicht.
30 Und Jesus spricht zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, dass du heute, in
dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, mich dreimal verleugnen
wirst.
31 Er aber sprach nachdrücklich: Wenn ich mit dir sterben müsste, werde
ich dich nicht verleugnen. Ebenso aber sprachen auch alle." Rev.
Elberfelder Übersetzung
3.4.4 Papyrus Egerton 2
Der Papyrus Egerton 2 ist ein Codex Fragment von einem unbekannten Evangelium, das in Ägypten gefunden und 1935/1987 veröffentlicht wurde. Es ist gehört mit zu den ältesten bekannten Fragmenten (ca. 200 n.Chr.) und ist weder häretisch noch gnostisch. Es scheint fast unabhängig zu sein von den synoptischen Evangelien (Mt, Mk, Lk) und repräsentiert eine johanneische Tradition, ist jedoch auch unabhängig vom Johannesevangelium des NT.
Fragment 1 Verso (Rückseite):
3rd century, National Roman Museum
Rekonstruktion und Übersetzung dieses Fragments:
Dann spricht Jesus zu den Gesetzeskundigen: "Straft
alle, die falsch und gesetzlos handeln und nicht mich. [...] * wie er tut,
was er tut." Sich an die Oberen des Volkes wendend, spricht er das
Wort: "Erforscht die Schriften, in denen ihr denkt, daß Ihr das Leben
habt. Sie sind es, die von mir zeugen. Denkt nicht, daß ich gekommen
bin, um euch bei meinem Vater anzuklagen. Der, der euch anklagt ist Moses,
auf den ihr hofft." Sie aber sagen: "Wir wissen, daß Gott durch Moses
sprach, aber wir wissen nicht, woher Du bist." Jesus antwortete und spricht
zu ihnen: "Jetzt kommt die Anklage gegen euren Unglauben durch seine Zeugnisse.
Denn wenn ihr Moses glaubtet, würdet ihr mir glauben. Über mich
hat jener euren Vätern geschrieben. [...]"
* Mögliche Rekonstruktionen dieser Stelle, die ausgefallen
ist:
"Richtet die Werke, wie er tut, was er tut."
"Denn ein Gesetzloser weiß nicht, wie er tut, was
er tut."
"Denn unerklärt ist, wie er tut, was er tut."
"Denn erkennt, wie er tut, was er tut."
"Wer verurteilt, wie er tut, was er tut."
Vgl. hierzu das JohEv:
Joh 5,39-47
39 Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen
ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen;
40 und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben
habt.
41 Ich nehme nicht Ehre von Menschen;
42 sondern ich kenne euch, daß ihr die Liebe Gottes
nicht in euch habt.
43 Ich bin in dem Namen meines Vaters gekommen, und ihr
nehmt mich nicht auf; wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den
werdet ihr aufnehmen.
44 Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander
nehmt und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, nicht sucht?
45 Meint nicht, daß ich euch bei dem Vater verklagen
werde; da ist einer, der euch verklagt, Mose, auf den ihr eure Hoffnung
gesetzt habt.
46 Denn wenn ihr Mose glaubtet, so würdet ihr mir
glauben, denn er hat von mir geschrieben.
47 Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet
ihr meinen Worten glauben?
Rev. Elberfelder Übersetzung
Fragment 1 Recto (Vorderseite):
Rekonstruktion und Übersetzung:
[...] sie beschlossen in der Menge, daß sie zusammen
Steine aufheben und ihn steinigten. Und die Oberen legten ihre Hände
auf ihn, um ihn zu ergreifen und der Menge zu übergeben. Sie konnten
ihn aber nicht ergreifen, denn die Stunde seiner Verhaftung war noch nicht
gekommen. Er selbst aber, der Herr entkam ihren Händen und entzog
sich ihnen. Und siehe, ein Leprakranker kommt zu ihm und sagt: "Lehrer
Jesus, du suchst die Leprakranken auf und ißt mit Zöllnern in
der Herberge. Hab Erbarmen, mir geht es wie ihnen. Wenn du es willst, werde
ich rein." Da sagt der Herr zu ihm: "Ich will es, sei rein." Und sogleich
verschwand die Leprakrankheit von ihm. Da sagt Jesus zu ihm: "Geh, zeige
dich den Priestern und entrichte entsprechend des Reinheitsgebotes,
wie es Moses befohlen hat und sündige nicht mehr [...]"
Vgl. hierzu die Evangelien:
Joh 8,59
59 Da hoben sie Steine auf, um auf ihn zu werfen. Jesus
aber verbarg sich und ging aus dem Tempel hinaus.
Mk 1,40-44
40 Und es kommt ein Aussätziger zu ihm, bittet ihn
und kniet nieder und spricht zu ihm: Wenn du willst, kannst du mich reinigen.
41 Und er war innerlich bewegt und streckte seine Hand
aus, rührte ihn an und spricht zu ihm: Ich will. Sei gereinigt!
42 Und sogleich wich der Aussatz von ihm, und er war
gereinigt.
43 Und er bedrohte ihn und schickte ihn sogleich fort
44 und spricht zu ihm: Sieh zu, sage niemand etwas! Sondern
geh hin, zeige dich dem Priester, und opfere für deine Reinigung,
was Mose geboten hat, ihnen zu einem Zeugnis!
Rev. Elberfelder Übersetzung
Fragment 2 Recto (Vorderseite):
Rekonstruktion und Übersetzung:
Sie kamen zu ihm, um ihn zu prüfen und um ihn zu
testen, sagten sie: "Lehrer Jesus, wir wissen, daß du von Gott gekommen
bist. Denn was du tust ist ein größeres Zeugnis als das aller
Propheten. Daher sage uns: Ist es richtig, den Königen die zustehenden
Abgaben zu entrichten? Soll man sie ihnen bezahlen oder nicht?" Aber Jesus
erkannte ihre Absicht, ergrimmte und sagte: "Warum nennt ihr
mich mit eurem Mund Lehrer, aber tut nicht was ich sage. Richtig prophezeite
Jesaja* über euch: Dieses Volk ehrt mich mit seinen Lippen aber ihr
Herz ist weit entfernt von mir. Vergeblich aber verehren sie mich (indem
sie Menschen)gebote (lehren)..."
* Jes 29,13+14 (RevElb): Und der Herr hat gesprochen: Weil dieses Volk mit seinem Mund sich naht und mit seinen Lippen mich ehrt, aber sein Herz fern von mir hält und ihre Furcht vor mir nur angelerntes Menschengebot ist: darum, siehe, will ich weiterhin wunderbar mit diesem Volk handeln, wunderbar und wundersam. Und die Weisheit seiner Weisen wird verlorengehen und der Verstand seiner Verständigen sich verbergen.
Vgl. hierzu auch beispielsweise das MtEv:
Mt 22,15-22
15 Dann gingen die Pharisäer hin und hielten Rat,
wie sie ihn bei einem Ausspruch fangen könnten.
16 Und sie senden ihre Jünger mit den Herodianern
zu ihm und sagen: Lehrer, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und
den Weg Gottes in Wahrheit lehrst und dich um niemand kümmerst, denn
du siehst nicht auf die Person der Menschen.
17 Sage uns nun, was denkst du: Ist es erlaubt, dem Kaiser
Steuer zu geben, oder nicht?
18 Da aber Jesus ihre Bosheit erkannte, sprach er: Was
versucht ihr mich, Heuchler?
19 Zeigt mir die Steuermünze! Sie aber überreichten
ihm einen Denar.
20 Und er spricht zu ihnen: Wessen Bild und Aufschrift
ist das?
21 Sie sagen zu ihm: Des Kaisers. Da spricht er zu ihnen:
Gebt denn dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.
22 Und als sie das hörten, wunderten sie sich und
ließen ihn und gingen weg.
Rev. Elberfelder Übersetzung
weitere Parallelstellen in: Mk 12,13–17; Lk 20,20–26
Quelle: www-user.uni-bremen.de/~wie/Egerton/Egerton_home.html
4. Weshalb existieren nicht noch viel mehr außerbiblische Quellen?
Weshalb nicht noch sehr viel mehr außerbiblische Informationen über Jesus existieren, läßt sich relativ leicht erklären:
"Man kann leicht erklären, warum in der klassischen Literatur Hinweise auf das Christentum fehlen. Vom Standpunkt des imperialistischen Roms aus gesehen war das Christentum in den ersten hundert Jahren seines Bestehens ein dunkler, verrufener, gemeiner, orientalischer Aberglaube. Wenn es seinen Weg trotzdem in die amtlichen Akten gefunden haben sollte, so würde es sich wahrscheinlich nur um Polizeiakten gehandelt haben, die (zusammen mit vielen Dokumenten des 1. Jahrhunderts, die wir wohl gerne einsehen würden) veschwunden sind." F.F.Bruce, Das Neue Testament, glaubwürdig, wahr, verlässlich, 1943, 4. Auflage 1997, S.123
Der englische Neutestamentler R.T.France schrieb in "The
Gospels as Historical Sources for Jesus, the Founder of Christianity" S.82:
"Im Licht der politischen Bedeutung, die das Christentum
im 4. Jahrhundert n. Chr. gewann, ist es eigentlich sehr verständlich,
daß wir es heute für eine Bewegung halten, die von Anfang an
für großes Aufsehen erregte. Soziologische Untersuchungen weisen
jedoch darauf hin, daß das Christentum des 1. Jahrhunderts vor allem
eine Bewegung der Unterschicht war und in nur sehr geringem Maße
das Interesse der einflußreichen Schichten auf sich zog. Wer die
Paulusbriefe und die Apostelgeschichte aufmerksam liest, wird keineswegs
den Eindruck gewinnen, daß es sich bei der frühen Christenheit
um eine Massenbewegung handelte, vielmehr ist an eher kleine, relativ isolierte
Gruppen zu denken, die sich in einer feindlichen Umgebung eng zusammenschlossen
und sich gegenseitig unterstützten. Solche Gruppen bieten wenig Stoff
für Schlagzeilen."
Der französische Wissenschaftler Henri Daniel-Rops schrieb: "Unsere Zivilisation ist die Zivilisation der schnellen Kommunikation, ja, wir treiben einen regelrechten Detailkult. Durch Presse, Radio, Fernsehen [und neuerdings auch über das Internet] wissen wir über alles, was in der weiten Welt geschieht Bescheid; man sagt uns - und zeigt es uns oft auch - das Nebensächliche und Unbedeutende. War es vor zweitausend oder auch nur vor zweihundert Jahren ebenso? Vor unserem >Zeitalter der umfassenden Information< mußten die, die Ihre Zeitgenossen mit Information versorgten, sich auf Ereignisse beschränkten, die großes Aufsehen erregten."
Der Professor für Neutestamentliche Einleitungswissenschaft
und Kirchengeschichte an der Westfälischen Wilhelm-Universität
Münster am Institut für Neutestamentliche Textforschung Kurt
Aland erläuterte das überwiegende Schweigen der Historiker folgendermassen:
"Aber ein Wort wenigstens zu dem Schweigen der weltlichen
Geschichtsschreiber des 1. Jahrhunderts über das Leben Jesu. Vorweg
einmal: ist das so erstaunlich? Denken wir doch nur an die äußeren
Umstände des Lebens Jesu, das sich in einem entlegenen Winkel des
römischen Weltreiches abspielte, für das sich kein Historiker
interessierte. Nazareth, Bethlehem, Kapernaum, Galiläa — das lag völlig
außerhalb des Gesichtskreises der damaligen Geschichtsschreiber.
Und selbst die Vorgänge in Jerusalem, die sich übrigens auf eine
ganz kurze Zeitspanne zusammendrängen, konnten der damaligen Zeit
nichts bedeuten. Auch von den Vorgängen dort, die jener Zeit wichtiger
erschienen, hat die Geschichtsschreibung des 1. Jahrhunderts eigentlich
wenig Notiz genommen. [...]
Also, dieses Argument: „in keinem der historischen Werke
jener Zeit steht ein Wort über das Leben von Jesus Christus", ist
nur ein scheinbares und verliert völlig seine Beweiskraft, wenn
wir daran denken, daß schon früh die Gegner des Christentums
[...], Juden und Heiden, zwar alle möglichen Lästerungen gegen
Jesus verbreitet, niemals aber behauptet haben (und ein wie glänzendes
Argument wäre es doch für sie gewesen!): der Jesus der Christen
habe nie gelebt und sei von diesen nur erdichtet!" Kurt Aland, Kirchengeschichte
in Lebensbildern, 1. Teil: Die Frühzeit, 3. Auflage, 1962, S.21f
R.T. France schrieb in 'The Evidence for Jesus', S.44:
"Diejenigen, die die Historizität des Jesus der
Evangelien bezweifeln, nur weil es so wenige außerchristliche Hinweise
auf ihn gibt, müßten aus dem selben Grund der Tatsache, daß
die christliche Kirche im 1. Jahrhundert existiert hat, mit noch sehr viel
größerer Skepsis begegnen. Doch nicht einmal George Wells möche
das bestreiten! Wie schon so oft gesagt, ist die Nichtexistienz von Indizien
nun einmal kein Indiz für die Nichtexistenz."
Nochmals Kurt Aland: "Denn zwar ist es richtig, daß die Evangelien — die Hauptzeugnisse für das Leben Jesu — erst nach seinem Tode aufgezeichnet sind. Dennoch aber reichen sie, wir werden in Kürze mehrfach davon zu reden haben, bis in seine Lebenszeit hinein. Und selbst wenn wir keines der Evangelien mehr besäßen: die Tatsache, daß Jesus gelebt hat, wäre auch ohne sie eine historische Gewißheit. Denn wenige Jahre nach seinem Tode wird durch die Erscheinung vor Damaskus Paulus zum Christentum bekehrt. Und so wenig seine Briefe uns im einzelnen an Tatsachen aus dem Erdenwandel Jesu mitteilen, sind sie dennoch ein jeden Zweifel beseitigender Beweis für das Leben Jesu, von dem sie, direkt und indirekt, von der ersten bis zur letzten Zeile Zeugnis ablegen. Und sämtliche Briefe des Paulus sind vor dem Jahre 64 geschrieben, also zu einer Zeit, als zahlreiche Menschen noch lebten, die Jesus von nahe oder fern mit eigenen Augen gesehen hatten! 1. Kor. 15 etwa ist ein für jeden Historiker — mag er nun Christ sein oder nicht — bündiger Beweis für die Auferstehungserfahrung der ersten Jünger." Kurt Aland, Kirchengeschichte in Lebensbildern, 1. Teil: Die Frühzeit, 3. Auflage, 1962, S.20
Gary Habermas, Professor für Philosophie und Religion
an der Liberty University kam in 'Ancient Evidence for the Life of Jesus,
Nashville', 1984, S.169 zu folgendem Fazit:
"Wir sehen also einmal mehr, wie grundlos die Spekulationen
sind, die seine Existenz leugnen oder behaupten, es gebe nur ganz wenige
Fakten, die für seine Existenz sprechen. Viele Ereignisse in der Geschichte
der Antike sind durch sehr viel weniger Belege gestützt, die dazu
noch aus einer sehr viel späteren Zeit stammen... Die Ansicht, daß
wir aus den antiken außerbiblischen Quellen so gut wie nichts über
Jesus wüßten, ist ganz einfach falsch. Es gibt nicht nur relativ
viele solcher Quellen, Jesus ist sogar eine der Gestalten der Geschichte
der Antike, für die wir eine ganz bedeutende Anzahl recht verläßlicher
Belege besitzen. Sein Leben ist eines der bestdokumentierten und bestbewiesenen
Leben der Antike."
E.M. Blaiklock , Professor für klassisches Altertum am University College von Auckland, Neuseeland stellte in 'Jesus Christ man or myth?', S.12 fest: "Die Historiker wären froh, hätten sie derart authentische, vielfältige, stimmige Belege für mehr Personen und Ereignisse aus der Geschichte der Antike."
F.F. Bruce, Professor für Theologie an der Universität Manchester, schlussfolgerte: "Die Geschichtlichkeit Jesu ist für einen unvoreingenommenen Historiker ebenso unumstösslich wie die Historizität Julius Cäsars. Wer von einem Christus-Mythos spricht, ist kein Historiker." F.F.Bruce, Das Neue Testament, glaubwürdig, wahr, verlässlich, 1943, 4. Auflage 1997, S.126
Einfügungen in [] von mir.