Die Verwandlung
Toyohiko Kagawa (10.07.1888 in Kobe - 23.04.1960 in Tokyo)
Sohn eines japanischen Samurai (ein Mitglied des Kabinetts) und einer Geisha (einer Tänzerin) durch eine außereheliche Beziehung
Studium der Theologie von 1905-1909
Studium der Soziologie und Wirtschaftswissenschaften in Princeton in New Jersey 1914-1916
Politiker, Sozialreformer (auf seine Initiative hin wurde die
Sozialgesetzgebung in Japan wesentlich reformiert, vor allem durch die
Einbeziehung genossenschaftlicher Elemente) und Gründer von Schulen,
Krankenhäusern und Gemeinden
Kagawa hatte eine sehr schlimme Kindheit. Seine Eltern starben, als er
4 Jahre alt war. Die Frau seines Vaters und seine Stiefgroßmutter
mißhandelten in regelmässig psychisch und physisch. Er wurde viel
geschlagen und weinte viel in seiner Kindheit, wahrscheinlich wurde er
auch deshalb zum Bettnässer. Man versuchte ihn dann mit brennenden
Moxawurzeln davon zu "heilen". Er erfuhr keine Liebe, weder von seinen
Stiefeltern, noch von seiner Schwester ... bis er als
Jugendlicher Jesus kennen lernte:
"Kagawa kam zuerst mit
dem Christentum in Berührung
durch Mr. Katayama, einem christlichen Lehrer seiner Schule, aber er
bezeichnet Dr. H. Myers als seinen ihm von Gott gesandten Freund und
Vater im Glauben und Dr. C. A. Logan als seinen Berater und Führer.
Durch ihn durfte Kagawa zum erstenmal etwas vom lebendigen Christentum
sehen und spüren, vor allem hörte er hier von Jesus und dem Buch, das
von Jesus erzählt.
Und da hat ihn dann ein Wort aus der Bergpredigt
getroffen, das ihn nicht wieder losgelassen hat. Es hat ihm zur
entscheidenden Wende seines Lebens geholfen: Matthäus 6,26: Siehe die
Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht und spinnen
nicht, ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit
nicht bekleidet gewesen ist wie derselben eine. So denn Gott das Gras
auf dem Felde also kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen
geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr euch tun, o ihr
Kleingläubigen?" [dies sagte Jesus in seiner bekannten Bergpredigt Mt 5-7]
Er hat diese Stelle immer wieder und wieder gelesen, ja sie auswendig gelernt, und--dann ist er, wie er selbst erzählt, eines Tages niedergekniet (den Tag hat er nie genannt, er wird etwa 19 Jahre alt gewesen sein!) und hat gebetet: „Gott, mache mich Christus ähnlich"!
Das war ein echtes Gebet und bedeutete die Hingabe an den Herrn, der ihm in seinem Wort zu mächtig geworden war.
Er hat diese Stunde in Erinnerung, als ob die Sonne ihn
überflutet habe. Mit diesem Erleben wurde für ihn sofort ein Auftrag
verbunden, den Armen und Elenden zu helfen. Er hat sein Leben nicht nur
Christus geweiht, sondern zugleich einem Leben der Armut und des
Dienstes an den entrechteten und weithin vergessenen Menschen.
Daß sein Entschluß, Christus zu folgen und den Armen zu
dienen, echt war, beweist, daß er sofort von seinem reichen Onkel
enterbt und aus dem Hause verstoßen wurde (ähnlich wie Saddhu Sundar
Singh). Er aber ließ sich dadurch nicht beirren, sondern studierte
nun weiter auf eigene Kosten, indem er sich Geld verdiente. [...]
Er schreibt von sich selbst: Man braucht nicht weit nach Wundern zu
suchen. Ich selbst bin ein Wunder. Sowohl meine körperliche Geburt wie
die Existenz meiner Seele sind ein Wunder. Zuerst und vor allem ist die
Tatsache, daß ich überhaupt geboren wurde, ein Wunder. Die Tatsache,
daß ich noch lebe, trotz meines geschwächten, schattengleichen Körpers,
der gegen eine Schar von teuflischen Krankheiten ankämpft, ist ein
Wunder. Aber das größte Wunder ist die Wirklichkeit meiner Seele. Daß
mir der Sieg verliehen wurde gegenüber Versuchungen, daß ich der
Gegenstand der göttlichen Sorge innerhalb einer Welt voller Unglück
bin, daß mir die Verheißung wurde, in die Welt der Frommen
vorwärtszuschreiten, ist mir der Wunder höchstes. Manchmal lassen die
Stürme der Leidenschaft meine Seele bis zu ihrem Innersten erbeben,
aber eine reinere Macht, eine tausendmal stärkere, hat von meinem Wesen
Besitz genommen und beherrscht mich. Wenn ich an diesen Zustand meiner
Seele denke, erscheint auch dieser mir als ein Wunder.
In meinem Herzen werden Werte unmittelbar zu Wirklichkeiten, und mein
Gebet läßt mich nicht auf Erfüllung warten. So bin ich mir in der Tiefe
meiner Seele täglich des Wunders der Schöpfung bewußt. Das Wunder der
Auferstehung [Jesu von den Toten] wird so nicht eine Frage des Gestern, sie findet heute in
dieser meiner Seele statt."
Quelle: W. Axling: Kagawa
L.-Friedrich-Verlag, Bad Pyrmont" Hans Bruns, Entschieden für Jesus,
Selbstzeugnisse bekannter Männer und Frauen, 1964,
Schriftenmissions-Verlag, Gladbek, S. 121-124
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Jesus Christus