Ich war gerade Christ geworden, hatte der Esoterik abgeschworen
und noch wenig Erfahrung im Glauben an Gott, da lautete der ärztliche
Befund: pflaumengroße Zyste am rechten Eierstock. Doch davon wollte
ich zu der Zeit nichts wissen. Schließlich hatte ich den Rat, die
anfangs kirschkerngroße Zyste auf ihre Gutartigkeit hin untersuchen
zu lassen, schon seit mehreren Monaten ignoriert. Inzwischen war
die Zyste gewachsen. Sie hatte bereits eine Größe von sechs
mal neun Zentimetern erreicht.
Eines Tages spürte ich, dass ich die Operation nicht
mehr länger hinauszögern durfte. Obwohl jede Woche für mich
um Heilung gebetet wurde, war die Zyste weiter gewachsen. Nun wurde es
ernst, und ich hatte Angst. In diese Situation hinein fragte mich Gott,
ob ich bereit sei, mein Leben und mein Sterben ganz in seine Hände
zu legen - ohne Bedingungen und ohne Heilungszusagen. Ich willigte ein.
Der Weg, der vor mir lag, würde nicht leicht sein, doch ich wusste,
ich komme durch.
Nun ging alles Schlag auf Schlag. Während der Operation
traten unvorhergesehene Komplikationen auf, u.a. drang Flüssigkeit
beim Punktieren des Tumors in die freie Bauchhöhle. Dieser Zwischenfall
wurde mir sofort zugetragen, später konnte ich ihn auch den Arztberichten
entnehmen. Offiziell wurde über diesen Kunstfehler allerdings nie
gesprochen. Der Chirurg meinte, alles sei ganz glatt verlaufen. Der Krebsspezialist
hingegen empfahl mir, noch einmal eine schöne Reise zu machen. Man
könne nicht mehr viel für mich tun. Wenn eine Krebszelle bei
der Operation erst einmal in die freie Bauchhöhle geraten ist, wird
sie sich hundertprozentig manifestieren.
Diese Aussage wäre mein Todesurteil gewesen, hätte
ich nicht den Glauben an Gott gehabt. Schon zwei Wochen später zeigte
eine Computertomographie auf der Höhe des linken Eierstocks einen
neuen, fünf mal sechs Zentimeter großen Tumor. Die Arzte waren
sich einig, dass dies bereits die erste Metastase war, und legten ohne
mein Wissen für die folgende Woche einen Operationstermin fest.
Obwohl ich noch jung im Glauben war und auch kaum die
Bibel kannte, konnte ich mich an die Wahrheit klammern, dass Jesus das
letzte Wort hat, unabhängig von allen ärztlichen Befunden und
Prognosen. "Jesus ist mein Herr und mein Arzt!" - Diese Gewissheit gab
mir Kraft, als ich oft stundenlang in Untersuchungsräumen warten musste,
oder wenn ich an meine Mutter dachte, die vor einigen Jahren an Krebs gestorben
war. Und besonders auch dann, als ich schließlich erfuhr, was man
mir alles bei dem geplanten Eingriff entfernen wollte. Ich war damals gerade
28 Jahre alt.
Dann wurde ich noch einmal untersucht, und - die Zyste
war unauffindbar. Zum großen Erstaunen des Arztes war auf dem Bildschirm
nichts mehr zu erkennen. Der Gynäkologe war fassungslos. Er hatte
wohl schon gehört, dass der Glaube Berge versetzen könne aber
doch keine Zysten.
Dann setzte ganz unerwartet die Regelblutung ein, nach
neun Monaten zum ersten Mal! Ich war unendlich erleichtert und überglücklich.
Den OP-Termin sagte ich gegen den Willen des Arztes ab, der immer wieder
vorschlug, "noch einmal aufzumachen und nachzusehen", ob wirklich nichts
mehr da sei.
Die nun folgenden Wochen waren zermürbend. Wie oft
meinte der Arzt, etwas gefunden zu haben, doch bei der Kontrolluntersuchung
war wieder alles verschwunden. Mittlerweile hatten meine Schwestern einen
Gebetskreis gegründet, der regelmäßig für mich und
meine Heilung betete, auch wenn ich selbst nicht dabei war.
Ich ging in dieser Zeit regelmäßig zur Seelsorge.
So erlebte ich meine Heilung als einen ganzheitlichen Prozess, als ein
Zusammenwirken seelischer, geistlicher und körperlicher Heilung.
Und wunderbarer Weise ist meine Heilung von Krebs auch
für andere Menschen eine Ermutigung, die ich vielen weitergeben möchte.
Ich kenne diese Angst, diese Verzweiflung und diese Hoffnungslosigkeit
eines Krebskranken. Ich kann ihn in seiner Not verstehen, seinen Schmerz
mitempfinden und für ihn beten.
Manchmal staune ich über die Kraft und die Zuversicht,
die damals in mir steckten. Das ist seine Gnade. Jesus hat mich geheilt.
Er hat mich durch alle Krisen und Schwierigkeiten hindurch getragen und
mich so in eine tiefe Abhängigkeit zu ihm geführt. Dafür
bin ich sehr dankbar.
"Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn
Werke verkündigen" (Psalm 118,17)
Birgit Koepsell, Jahrgang 1959, praktizierende Heilpraktikerin
und Pastorin der Gemeinde Anskar-Mitte
Heilung, GGE thema 1, Geistliche Gemeinde Erneuerung,
2001, S. 53f